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Leibniz-Vorlesungen 2010 Prof. Dr.
Gottfried Boehm | ||
Die Aktualität des Bilderstreits Am 17., 18. und 19. Mai 2010, jeweils 18:15-20:00 Uhr im Leibniz-Haus der Leibniz Universität Hannover, Holzmarkt 4-6, 30159 Hannover Jedes Jahr im Sommer werden von der Zentralen Einrichtung für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsethik (ZEWW) der Leibniz Universität Hannover die Leibniz-Vorlesungen veranstaltet. In drei aufeinander folgenden Vorträgen berichtet eine an der Spitze der Forschung stehende, international renommierte Persönlichkeit über ihre Forschungser- gebnisse. Die Vorlesungen sind für die breite Öffentlichkeit zugänglich und vermeiden Fachjargon so weit als möglich. Die diesjährigen Leibniz-Vorlesungen
werden von Herrn Prof. Dr. Gottfried Boehm (Kunsthistorisches Seminar,
Universität Basel) zum übergreifenden Titel "
Die Aktualität des Bilderstreits" gehalten
werden. Die drei Vorlesungen befassen sich –
unter dem Titel des Bilderstreits – mit jenen Debatten über das Bild, die sich
seit den neunziger Jahren, unter der Devise einer grundsätzlichen Wende, des
„iconic turn“, entwickelt haben. Der „Streit“ betrifft nicht, wie ehedem, das
Recht Bilder herzustellen, sondern sehr viel mehr ihre Rolle in der
Wissenschaft. Strittig und offen war die Frage, auf welchen intellektuellen
Voraussetzungen sich das neue Wissenschaft von den Bildern aufbauen liesse.
Erstaunen erregt zunächst die Verspätung, mit der diese Probleme diskutiert
werden: Seit der Antike gibt es zwar eine intensive Erforschung der Sprache
(Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft), der keine vergleichbare Zuwendung
gegenüber dem Bild an die Seite zu stellen war. Diese so unterschiedliche Gewichtung
von Sprache und Bild ist zunächst ganz plausibel. Sie wurde zusätzlich
verstärkt durch die Identifikation der Bilder mit Dingen. Nicht zufällig war
die Mobilisierung der Bilder durch die Kunst der Moderne und dann durch die
digitale Revolution auch der Auslöser dafür, die den Bildern innewohnende
kommunikative Kapazität ernst zu nehmen und nach ihren besonderen Regeln zu
suchen, die nicht diejenigen der Sprache sind. Mo, 17.5., 18:15 - 20 Uhr: Eine andere Sprache des Menschen. Das Bild und die Grundlagen der
Kommunikation Die
erste Vorlesung beschäftigt sich mit
der Bildbefähigung des Menschen als eine Voraussetzung für Bildproduktion und Bildkultur.
Man hat ihn ein „sprechendes Wesen“ genannt. Im Licht von Paläontologie,
Gebärdenforschung, Primatologie, Kinderpsychologie und Neurowissenschaften wird
aber immer plausibler, dass die erste „Sprache“ des Menschengeschlechts eine
visuell Gestische gewesen ist, aus der sich dann die Bilderzeugung und die
Lautsprache weiterentwickelt haben. Viel spricht dafür, dass der Mensch ein
„homo pictor“ war und ist, mit bemerkenswerten Folgen für sein Verständnis. Die
Konkurrenz von (bildlichem) Zeigen
und (sprachlichem) Sagen markiert
aber auch einen intellektuellen Zugang zu den Fundamenten einer Wissenschaft
von den Bildern. Di, 18.5., 18:15 - 20 Uhr: Der Grund Das Feld des Sichtbaren Jedes
Bildwerk hat seinen (visuellen) Grund, eine unbestrittene Voraussetzung, die
durch die Figur-Grund-Relation der Gestaltpsychologie populär geworden ist.
Aber welche Rolle spielt dieser Grund wirklich? Diese Frage stellt die zweite Vorlesung. Ist er auch als Boden
zu verstehen (von Skulpturen etwa)? – Wo liegen überhaupt die Grenzen des
Bildlichen? Hinzu kommt, dass eine merkwürdige Konvergenz herrscht zwischen dem
visuellen Grund und dem Grund, den
man zum Beispiel in Argumenten heranzieht, dann wenn man begründet. Was hat der Grund des Bildes mit den Gründen des Wissens
gemein? Mi, 19.5., 18:15 - 20 Uhr: Bilder jenseits der Bilder – die Lehre
der Moderne Die
dritte Vorlesung wechselt die
Perspektive. Sie entfaltet Aspekte jenes impliziten Wissens, das in den Bildern
eingeschlossen ist. Schliesslich treiben Künstler die Entwicklung des
Ikonischen voran und das was sie machen weist hoch intelligente Strukturen auf.
Das 20. Jahrhundert war geradezu ein historisches Laboratorium, in dem die
Möglichkeiten des Bildes auf eine zum Teil radikale Weise erprobt worden sind.
Die letzte der Vorlesungen versteht sich mithin als eine Art „Protokoll“ aus
dem tätigen Bilderlaboratorium. Es möchte vor allem dessen Anstösse sichtbar
machen: seitdem sich das Bild entgrenzt , und seine Erscheinungsweisen
fortlaufend permutiert, seitdem es als Mittel der Kommunikation eingesetzt
wird, ist die Frage danach was Bilder sind und wie sie funktionieren eine
aktuelle Frage der Wissenschaft. Eintritt frei, Anmeldung ist nicht
erforderlich. Weitere Auskünfte erteilt Prof. Dr. Thomas Reydon (reydon@ww.uni-hannover.de,
Tel. 0511 - 762 19391). |
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Kontakt (ZEWW): Für weitere Fragen: Dr. Thomas Reydon |
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Aktualisierungsdatum:
Okt 2009
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